Archiv für April 2010

eine kleine pause

bis zum beginn der nächsten woche wird es hier nichts neues zu lesen geben. freu mich aber, wenn ihr dann wieder reinschaut.

Rap mit Niveau

Ja, es gibt ihn, den Rap mit Niveau, doch ist er in der heutigen Zeit wirklich selten, aber seit ich vor 2-3 Wochen auf die kostenlose „Coming Out EP“ von Danger Dan aus dem Jahre 2008 gestoßen bin läuft diese bei mir auf Rotation. Danger Dan ist ein Rapper aus Aachen und war Teil der Rapcrew „Anti-Alles-Aktion“. Derzeit ist er Teil des Rapprojektes „Antilopengang“ und hat in diesem Jahr zusammen mit Koljah bereits die EP „Traurige Clowns“ veröffentlicht. Musikalisch ist die „Coming Out“ EP wirklich wertvoller Rap, da Danger Dan ohne Samples arbeitet und stattdessen häufig seine Klavierspielkünste einfließen lässt.
Doch auch die Texte sind sehr positiv zu bewerten, da sie vielfältige, oft auch gesellschaftskritische, Themen behandeln, so unter anderem das „Kommunikationszeitalter“ („in dem nichts mehr ohne Kommunikation läuft, alter!“), den Knast und das dortige Leben oder in einem Song sogar den Holocaust. So ist Danger Dan der erste deutsche Rapper überhaupt, der einen Song über den Holocaust und Antisemitismus schrieb. Doch politische Botschaften sind bei ihm nicht so undifferenziert und parolenhaft wie bei manch anderen politischen Rappern, sondern gut durchdacht. Es lohnt sich allerdings auch bereits wegen der musikalischen Qualität ein Hören der EP, da das Verbinden von Rap mit Klavier in dieser Form selten ist. Danger Dan ist jedenfalls wirklich ein besonderer Rapper, man sollte sich das Album einfach anhören, dies gibt es schließlich kostenlos hier zum Download.
Doch auch die aktuellere EP „Traurige Clowns“, die Danger zusammen mit Koljah veröffentlich hat, lohnt sich aufjedenfall. Diese gibt es ebenfalls gratis hier zum Download.

Wer noch einen etwas längeren Artikel aus der Jüdischen Allgemeinen über Danger Dan lesen möchte, kann sich den Artikel als PDF hier durchlesen.

Hier ein Song aus der „Coming Out“ EP über den Alltag im Knast und den Sinn dieser Einrichtung:


Hier der Titelsong von der neuen EP „Traurige Clowns“, zusammen mit Koljah:

Stumpf ist Trumpf

heut abend hier hingehen

ich dokumentiere hier den Aufruf für die heutige Demo in Hamburg gegen Abschiebehaft:

Abschiebehaft abschaffen!

Es gibt keinen Freitod hinter Gittern

Am 16.4.2010 starb erneut ein Mensch in Hamburger Abschiebehaft. Die 34jährige Yeni erhängte sich mit einem Gürtel in der JVA Hahnöfersand. Sie war seit dem 23.Februar 2010 inhaftiert, angeblich wegen „Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz“. Vermutlich hielt sie sich ohne gültige Papiere in Hamburg auf. Dies ist in den Augen der Hamburger Behörden ein Verbrechen.

Yeni hat nichts anderes gemacht als sich das für deutsche PassbesitzerInnen selbstverständliche Recht auf Bewegungsfreiheit zu nehmen. Aber sie hatte Schlimmeres zu erleiden als das Warten deutscher TouristInnen auf europäischen Flughäfen, das z.Zt. die Medien füllt. Vermutlich hat sie, wie so viele andere MigrantInnen auch, hart und für zu wenig Lohn gearbeitet, wurde von Männern ausgebeutet und betrogen (laut Presse wurde sie „in einer Modelwohnung aufgegriffen“, reiste „seit 1994 mehrfach mit verschiedenen Identitäten ein und war mit drei Deutschen verheiratet“). Seit fast zwei Monaten war sie in Untersuchungs- und dann in Abschiebehaft. Ihr Verbrechen war es, sich ein selbstbestimmtes Leben zu wünschen, in dem sie selbst entscheidet, wo sie lebt – nicht die Behörden.

Bereits am 7. März 2010 nahm sich David, ein junger Flüchtling, ebenfalls in Hamburger Abschiebehaft das Leben. Ihm drohte eine Abschiebung gemäß der europäischen Dublin II-Verordnung, weil er über Polen eingereist war – deshalb wurde es ihm hier verweigert, einen Asylantrag zu stellen.

Die Hamburger Regierung aus CDU und GAL hatte genügend Zeit, Konsequenzen aus dem Tod von David zu ziehen. Sie hätte somit den Selbstmord von Yeni verhindern können. Falls sie ihre rigide Abschiebepolitik nicht ändert, wird sie auch weiterhin die Verantwortung dafür tragen, wenn sich erneut Menschen in Haft aus Angst vor Abschiebung das Leben nehmen sollten. Das haben in den vergangenen 10 Jahren 23 Abschiebehäftlinge versucht.

Nach dem Suizid von Yeni bekräftigte der innenpolitische Sprecher der CDU, Kai Voet van Vormizeele, die Notwendigkeit „verbindlicher Maßnahmen in der Abschiebung“ und erklärte, es sei nicht „akzeptabel, dass Menschen nur noch den Ausweg des Selbstmords sehen. Dies muss durch geeignete Maßnahmen verhindert werden.“ Das heißt: Noch mehr Abschiebehaft, Überwachung und Kontrolle statt Freiheit für die Inhaftierten.

Der verantwortliche Justizsenator Till Steffen (GAL) äußerte lauthals: „Der Selbstmord von Yeni P. hat mich tief getroffen“. Dabei trägt seine Partei die Abschiebepolitik seit Jahren mit. Die GAL kündigte jetzt lediglich an, einen Runden Tisch einzurichten, um über „aktuelle Fragen rund um die Abschiebepraxis“ zu reden. Aber statt zu reden, müssen endlich Konsequenzen gezogen werden:

* SOFORTIGE ABSCHAFFUNG DER ABSCHIEBEHAFT UND FREILASSUNG DER INHAFTIERTEN!

* RÜCKTRITT DER VERANTWORTLICHEN SENATOREN AHLHAUS UND STEFFEN!

* SCHLUSS MIT DER RASSISTISCHEN AUSGRENZUNGS- UND ABSCHIEBEPOLITIK GEGEN FLÜCHTLINGE UND MIGRANTINNEN!

* BEWEGUNGSFREIHEIT, BLEIBERECHT UND GLEICHE RECHTE FÜR ALLE!

Beteiligt Euch an der Demonstration
am Samstag, den 24.4.10 um 18.30 Uhr ab Hauptbahnhof (Glockengießerwall)
Abschlusskundgebung: 20 Uhr Achidi-John-Platz (Schulterblatt)

Es rufen auf:
Flüchtlingsrat Hamburg, Avanti – Projekt undogmatische Linke, Hamburger Arbeitskreis Asyl e.V., attac Hamburg, amiga – antimilitaristische FrauenLesbenGruppe Hamburg, GEW-Bleiberechtsausschuss, GEW-Studis, Gewerkschaftliche Hochschulgruppe Hamburg, DIE LINKE – Bürgerschaftsfraktion, DIE LINKE – AG Migration und Flucht, kein Mensch ist illegal, Libertäre Harburg, Cafe Exil, anti(ra)²dio, A.R.K! – AntiRassistische Kultur, VVN.BdA Hamburg, Projekt Revolutionäre Perspektive (PRP), Bürengruppe Paderborn, S.E.N.G. Hamburg, Revolution-Hamburg, Flüchtlingsrat Niedersachsen“

Die Linken und die Pädophilie

In der taz gab es gestern mehrere interessante Artikel zu der Haltung der Linken der 70er- und 80er-Jahre zu Pädophilie. In dieser Zeit wurden sogar offen in Zeitungen, wie u.a. auch der taz, pädophile Positionen vertreten, die Straffreiheit für Sex von Erwachsenen mit Kindern erreichen wollten. Erschreckend ist ebenfalls, dass die Grünen im Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen ein Papier mit dem Titel“ Sexualität und Herrschaft“ verabschiedeten, das die Straffreiheit für gewaltlosen Sex von Erwachsenen mit Kindern forderte. Erst durch Protest, auch von der eigenen Basis und das Verlieren der Wahl kam es zur langsamen Distanzierung von pädophilen Positionen. Bis zum Ausschluss dieser Gruppen aus der Partei dauerte es allerdings noch mehrere Jahre. An dem Umgang mit Pädophilen in der damaligen Zeit gibt es also einiges aufzuarbeiten, doch lest selbst:
1. Pädo-Aktivisten im linken Milieu: Kuscheln mit den Indianern
2.Aufarbeitung der taz-Geschichte: Abschied von den Pädophilen