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Julian Assange und der Antisemitismus


Wikileaks-Chef Assange: Gerechtigkeitsheld a.D. ?

Das Onlineportal der Schweizer Zeitung 20 Minuten berichtet über Wikileaks-Chef Julian Assange folgendes:

Auch Julian Assange erlaubte sich einen antisemitischen Kommentar, als er sich vergangene Woche in einem Telefoninterview mit einem britischen Journalisten über eine «jüdische Verschwörung» gegen ihn und sein Projekt beklagte. Der Wikileaks-Gründer dementierte nach der Publikation via Twitter, je so etwas gesagt zu haben.

Doch kaum getwittert, kam seitens der «New York Times» der nächste Vorwurf: Assange soll während dem Interview tatsächlich gesagt haben, gegen ihn laufe eine Kampagne jüdischer Journalisten. Später soll er gebeten haben, «die Sache mit den Juden» zu vergessen.

Doch dies ist nicht der erste Bericht über Assange im Zusammenhang mit Antisemitismus. Bereits am 24. Februar schrieb Elke Wittich in der Jungle World in ihrem Artikel „Schwedische Verschwörungen“ über „Julian Assange und seine fragwürdigen Unterstützer“.
Diese fragwürdigen Unterstützer sind die beiden schwedischen Journalisten Donald Boström und Johannes Wahlström sowie Israel Shamir, der als Vertrauensperson für Russland eingesetzt wurde.
So schreibt Elke Wittich über Donald Boström:
„Donald Boström löste zuletzt im Jahr 2009 weltweit Empörung aus. Die schwedische Zeitung Aftonbladet hatte einen Bericht von ihm gedruckt, in dem es hieß, israelische Ärzte würden tote Palästinenser gezielt ausschlachten und ihre Organe benutzen, um ausschließlich jüdische Patienten zu retten.“
Thomas Lundin beschrieb diesen Bericht Boström in einem Kommentar für den Deutschlandfunk folgend: „Die Geschichte ist schlecht unterfüttert, sie spielt bewusst oder unbewusst mit Vorurteilen, viele finden sie geschmacklos und reißerisch – und es ist gut zu verstehen, dass die Aufregung in Israel groß ist.

Israel Shamir, russisch-israelischer Schriftsteller und Journalist, ist als Holocaustleugner bekannt und immer wieder in den Medien für seine antisemitischen Äußerungen, sowie die Verbindungen in Kreise der extremen Rechten (so u.a. zu Horst Mahler) kritisiert worden.
Shamir soll bei Wikileaks in Russland dafür zuständig sein die Informationen und Dokumente an ausgewählte Medien zu verteilen.
Wikileaks bestreitet nun die Arbeit Shamirs für Wikileaks, räumt aber ein, dass er besonderen Zugriff auf Wikileaksmaterial in Russland hatte. Außerdem hebt die Mitteilung Wikileaks Shamirs Arbeit für andere Firmen hervor um anscheinend Glaubwürdigkeit zu vermitteln.

Israel Shamir has never worked or volunteered for WikiLeaks, in any manner, whatsoever. He has never written for WikiLeaks or any associated organization, under any name and we have no plan that he do so. He is not an ‚agent‘ of WikiLeaks. He has never been an employee of WikiLeaks and has never received monies from WikiLeaks or given monies to WikiLeaks or any related organization or individual. However, he has worked for the BBC, Haaretz, and many other reputable organizations.

sowie :

Shamir was able to search through a limited portion of the cables with a view to writing articles for a range of Russian media.

Zu den Antisemitismusvorwürfen wird allerdings in der gesamten Mitteilung keine Stellung bezogen. Der schwedische Sohn Shamirs, der Journalist Johannes Wahlström ist bei Wikileaks die zuständige Person für den Bereich Skandinaviens. Er schrieb zwar lange Zeit für das linke, schwedische Magazin Ordfront, sorgte allerdings mit einem Artikel im Jahr 2005 für Kritik.

In einem Artikel stellte er im Jahr 2005 die These auf, die schwedischen Medien würden von »jüdischen Interessen« manipuliert. Was Wahlström dabei verschweigt: Drei der Journalisten, die er für die krude Story interviewte, beschwerten sich umgehend beim Herausgeber und wiesen nach, dass ihre Zitate grob verfälscht wurden. Heléne Löw, Doktorin der Philosopie und führende schwedische Faschismus-Forscherin, sagte, der von Wahlström verfasste Artikel enthalte »alle Elemente, die man in einer klassischen antisemitischen Verschwörungstheorie finden kann«. Die Beschwerden hatten Erfolg. Die Geschichte wurde umgehend zurückgezogen, Ordfront entschuldigte sich. Boström, den Wahlström für seinen Artikel ebenfalls interviewt hatte, hat übrigens keinerlei Einwände bezüglich des antisemitischen Inhalts erhoben – denn zitiert worden war er mit seinem Lieblings­thema, nämlich Behauptungen über angebliche gezielte Organentnahmen an toten Palästinensern durch jüdische Ärzte.

Man sollte sich innerhalb von progressiven Bewegungen also nicht nur wegen der schwerwiegenden Vergewaltigungsvorwürfen gegen Julian Assange fragen welche Rolle Wikileaks und vorallem der Personenkult um Assange einnehmen sollte.
Sicherlich muss und kann die Kritik an Wikileaks-Chef Assange nicht direkt auf Wikileaks übertragen werden, trotzdem sind Wikileaks und Julian Assange selbstverständlich nicht nur voneinander losgelöst zu betrachten. Darum sollte man sicherlich in Zukunft nicht blind Solidarität mit Assange und Wikileaks fordern, sondern diese ebenfalls einem kritischen Blick unterziehen.

Assange stilisierte sich bisher meist sehr erfolgreich als Opfer einer „US-Kampagne“ gegen Wikileaks und schaffte es so auch lange Zeit bei dem schwerwiegenden Vorwurf der Vergewaltigung nicht viel seiner Popularität einzubüßen. Im Gegenteil: Viele seiner Anhänger reagierten mit „Free Assange“-Demonstrationen und glaubten den Aussagen Assanges.
Mittlerweile deutet allerdings immer mehr daraufhin, dass die Vergewaltigungsvorwürfe nicht Elemente einer „Schmutzkampagne“ der USA gegen Wikileaks seien. Man sollte also die Antisemitismusvorwürfe also ebenfalls nicht einfach als Teil einer „Schmutzkampagne“ betrachten, sondern als ernstzunehmende Vorwürfe, die eventuell sogar dazu führen könnten, dass man Assange bald nicht mehr als Gerechtigkeitsheld, sondern als Held der Gerechtigkeit a.D. bezeichnen könnte.

Über die Position der beiden Frauen, die Assange der Vergewaltigung beschuldigen, zu Wikileaks schrieb derStandard:

Die beiden mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer von Julian Assange sind nach Angaben ihres Anwalts keine Gehilfinnen des US-Geheimdienstes CIA, sondern sogar Unterstützerinnen der Enthüllungsplattform Wikileaks. Es sei sehr ärgerlich, dass Assange die Vorwürfe seiner Mandantinnen als Schmutzkampagne der USA gegen Wikileaks bezeichne, sagte Claes Borgstrom der Nachrichtenagentur AP.

„Er verbreitet falsche Gerüchte. Das ist rücksichtslos gegenüber den zwei Frauen“, sagte Borgstrom am Donnerstag. Die Schwedinnen hatten zuvor schwere Vorwürfe gegen Assange erhoben. Nach Angaben der Anwältin Gemma Lindfield, die den schwedischen Staat vor britischen Gerichten vertritt, habe eine Frau Assange beschuldigt, sie festgehalten und die Verwendung eines Kondoms abgelehnt zu haben. Die andere Frau werfe Assange vor, Sex mit ihr gehabt zu haben, während sie schlief.

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Ein Witz. Und dann auch noch mit Niveau

Robert Altmann und seine Sekretärin saßen 1935 in einem Berliner Kaffeehaus. »Herr Altmann«, sagte die Sekretärin. »Ich sehe gerade, dass Sie den »Völkischen Beobachter« lesen! Ich verstehe beim besten Willen nicht, was Sie mit diesem Dreckblatt der Nazis wollen. Sind Sie etwa masochistisch veranlagt, oder gar – Gott bewahre – verrückt geworden?«

»Ganz im Gegenteil, Frau Epstein. Früher, als ich noch die jüdischen Zeitungen gelesen habe, habe ich von nichts anderem erfahren als von Pogromen, von Aufständen in Palästina und von Assimilation in Amerika. Aber seit ich den »Stürmer« lese, erfahre ich nur Erfreuliches: Ich höre, dass die Juden alle Banken unter Kontrolle haben, dass wir führend in den Künsten sind und dass wir kurz davor sind, die ganze Welt zu beherrschen.«

Zu empfehlen ist bei diesem Thema übrigens die Dokumentation „‚Heil Hitler, das Schwein ist tot!‘ – Humor unterm Hakenkreuz“, die es sogar hier bei Google Video zu sehen gibt.

Linker Antisemitismus in Hamburg

Da ich hier für längere Zeit nichts geschrieben habe, war hier bisher auch noch nichts vom antiimperialistischen Mob zu lesen, der in Hamburg in der Schanze eine Vorführung des Films „Warum Israel?“ verhinderte.
Da der Vorfall nun schon etwas länger her ist, lohnt es sich wohl kaum noch die Situation hier genau zu beschreiben, daher nur ein paar Links.

Hier ein gutes Interview mit dem Künstler Daniel Richter und hier gehts zum Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten, das sich nach dem antisemitischen Übergriff gegründet hat.
Dieses organisiert für den 13. Dezember, an dem der Film erneut im B-Movie vorgeführt werden soll, eine Demo gegen den linken Antisemitismus. Man darf also hoffen, dass an dem Tag möchlichst viele gegen linken Antisemitismus Stellung beziehen und so dazu beitragen können das B5 innerhalb der linken Szene zu isolieren.

Das Verhältnis der Linken zu Israel

Folgendes Diskussionspapier der Roten Flora zu Antisemitismus aus dem Jahre 2004 ist meiner Meinung nach immer noch höchstaktuell und empfehlenswert. Leider gibt es innerhalb linker Zusammenhänge immer noch deutlich zu viele, die diesem Papier nicht zustimmen würden…
Hier gehts zu dem Diskussionspapier

Er grinst weiter!

ahmadinedschad

Der Iran hat gewählt und laut amtlichem Ergebnis Mahmud Ahmadinedschad mit 62,6 % der Stimmen erneut zum Präsidenten gewählt. Nach der Verkündung brachen im Iran große Unruhen aus, da vor der Wahl viele an einen Machtwechsel und somit auch an ein Ende der Isolation des Irans von der westlichen Welt glaubten. Vorallem bei der jungen Bevölkerung, die einen Großteil der Bevölkerung stellt, war der Optimismus groß und daher glauben nun auch viele nicht an das amtliche Endergebnis, vorallem da Ahmadinedschads Herausforderer Mussawi nur 33,75 % hat und im Voraus als Favorit galt.
Es ist auf jedenfall mit Besorgung zu betrachten, dass im Iran weiterhin ein Holocaustleugner regiert, der Israels Existenzrecht negiert und dabei auch noch den Anspruch hat den Iran aufzurüsten und Atomkraft zu nutzen. Trotzdem muss man auch beachten, dass der Iran immernoch eine Islamische Republik ist und daher auch Mussawi keinen radikalen Wandel herbeigeführt hätte, sondern nur hätte reformieren können, da er schließlich nicht die absolute Macht hat.
Dazu passend:

Stop The Bomb